Die singenden Geigen

 

Die singenden Geigen

Diese Geschichte schrieb

Elisa Stauch

 

Es gab eine Familie Vogt aus Coswig und diese Familie war sehr musikalisch aber ansonsten nicht besonders nett. Da sie besser sein wollten als alle anderen, kauften sie auf dem Flohmarkt für jedes Familienmitglied eine Geige, also fünf. Es waren sehr billige Geigen und die Vogts behandelten sie auch nicht sehr gut. Niemand ahnte, was in Wirklichkeit mit ihnen los war. Also mit den Geigen.Die Familie übte viele neue Lieder. Wer die Lieder nicht mitspielen konnte, musste dazu singen. Das Geheimnis an den Geigen aber war, dass sie dadurch selbst das Singen lernten. Wer auch immer sang, wurde von einer fremden Stimme begleitet. Irgendwann bekamen die Kinder heraus, dass die Geigen singen konnten.Wegen der schlechten Behandlung sprach eines Tages die älteste Geige: „Wir wollen nicht länger hier bleiben. Gehen wir hinaus in die weite Welt. Dort finden wir bestimmt eine Arbeit.“

Gesagt, getan. Zuerst gingen Die singenden Geigen in einen nahegelegenen Zirkus und redeten mit dem Zirkusdirektor, ob sie eine Nummer bekommen könnten. Sie bekamen eine bei dem großen Zauberer Hasenhut-Hokuspokus. Die Nummer war zwar sehr gut, aber die meisten Leute dachten, es sei bloß ein billiger Trick. So wurden Die singenden Geigen entlassen und zogen wieder in die weite Welt hinaus.

In der Zwischenzeit aber bemerkten ihre ehemaligen Besitzer, dass ihre nun sehr wertvollen Instrumente verschwunden waren und informierten die Polizei. Sie sollten Die singenden Geigen verfolgen und einfangen. Die Polizei hatte sehr viel nachgedacht und war zu dem Schluss gekommen, dass die Gesuchten doch bestimmt als erstes zum Zirkus gehen würden. Sie wollten Polizist Meier losschicken, den Zirkusdirektor fragen, ob sie zufällig ein paar Geigen bei sich hatten, die singen konnten. Keine schlechte Idee, doch unsere Fünf waren ja entlassen worden.

Die singenden Geigen fühlten sich nutzlos. Sie waren von Coswig bis nach Großenhain gewandert, was für ihre kleinen Beinchen eine große Herausforderung war. Dort gab es aber weit und breit keinen Zirkus. Sie liefen und liefen, bis sie zum Kulturschloss kamen. Dort war große Aufregung, denn bald würde die neueste Oper aufgeführt werden. Da dachten sich Die singenden Geigen, dass sie doch auch ein paar Opernarien lernen könnten. Sie hatten Glück, denn die Leute des Opernensembles brauchten noch ein paar Sänger, die eine Stimme übernehmen könnten.

Polizist Meier ging also zum Zirkusdirektor (der hatte ein ziemliches Kurzzeitgedächtnis) und fragte ihn, ob sie ein paar Geigen bei sich hätten, die singen konnten. Da es schon eine Weile her war, dass der Zirkusdirektor Die singenden Geigen entlassen hatte, konnte er sich nicht mehr an sie erinnern und sagte: „Nein!“. Da ging Polizist Meier wieder zur Polizeistation und erstattete Bericht.

Die singenden Geigen hatten ihre Stimmen fleißig geübt, denn sie wollten sie nicht verlieren. Heute war Generalprobe und es klappte wunderbar. „In 5 Minuten beginnt das Konzert!“, sagte eine von ihnen. Die anderen Geigen waren auch schon hippelig geworden und wollten los. Da gingen sie hinein in die Garderobe und zogen sich um.

Bei so einem Fest darf die Polizei natürlich auch nicht fehlen! Sie hatte die Polizisten Streumel, Kunze und Gampf losgeschickt. Es waren alles Brillenträger.

Als es los ging, waren Die singenden Geigen als erste dran. Die Polizisten erkannten sie sofort, denn sie waren ja eine Sensation gewesen. Nach der Aufführung stürmten die Polizisten in die Umkleidekabine und wollten Die singenden Geigen einfangen. Die aber konnten so hoch singen, dass die Brillengläser der Polizisten einfach zersprangen und keiner mehr etwas sehen konnte.

Trotzdem wollten Die singenden Geigen nicht da bleiben. Sie gingen weiter und kamen schließlich  zu einer Musikschule, wo sie an Kinder verliehen  und gut behandelt wurden. Hier blieben sie für immer.